Die Untrennbarkeit von Gedanken, Worten, Werken, jeglicher Arbeit von ihrem Urheber

Wir leben in einer Zeit der rasanten Ent-Persönlichung und Ent-Individualisierung. In diesem Artikel werden Zusammenhänge der Entstehung dieses Phänomens und seine Folgen diskutiert, für Betroffene und für die Gesellschaft. Woran erkennt man Ent-Individuali­sie­rung? Wie kann der Einzelne Individualität fördern?

In unserem heutigen Alltag wird Individualität immer weit reichender eliminiert. Damit einher geht die rasant zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz in vielen Lebensbereichen. Mit digitalen Systemen werden einerseits Erleichterungen, andererseits bloße Annehmlichkeiten geschaffen.

Erleichterungen sind wichtig und wertvoll, wenn z.B. die elektrische Bedienung eines Tores im Krankheits- oder Altersfall eine Handbedienung ersetzt. Wo ist jedoch die sinnvolle Grenze? Wann lässt der einzelne, wenn er sich mit (viel) digitaler Technik umgibt, zu viele Annehmlichkeiten zu? Welche negativen Folgen entstehen? Werden Digitalisierung und KI genutzt, um den einzelnen insgesamt abhängiger zu machen und ihn seiner Fähigkeiten zu berauben?

Teil 1 : Ent-Individualisierung beraubt den Menschen im Innersten

Zwei Beispiele aus dem Berufsleben

Eine Art Entwurzelung am Arbeitsplatz in großen Unternehmen stellt der tägliche Wechsel eines jeden Arbeitsplatzes in Bürogebäuden dar. Arbeitsplätze in Unternehmen sind oftmals nicht mehr fix. Der Mitarbeiter kommt morgens ins Unternehmen, und bekommt einen Sitzplatz – mit Computer und Telefon – zugewiesen. Jeden Werktag klappt man als Arbeitnehmer den Computer an einem anderen Arbeitsplatz auf. Zusätzliche Arbeitsmaterialien wie Ordner oder Sachbücher im Regal zu haben wird als veralteter und antiquierter Arbeitsstil angesehen und ist entsprechend eliminiert worden. Alle Materialien müssen digital zur Verfügung stehen. Außerdem können persönliche Gegenstände nicht mehr am Schreibtisch stehen bleiben, sondern müssen jeden Tag mit umgezogen werden.

Auch die Art und Weise, wie Arbeitsplätze beschaffen sind, lässt teilweise zu wünschen übrig. Es ist anerkannt, dass Arbeitsplätze einer gewissen Weite und Helligkeit bedürfen. Geräuschkulissen und ungünstige Belüftung durch Klimaanlagen können sich in Großraumbüros störend auswirken.

Quelle Foto: pxhere.com

Wie kann die äußere Raumgestaltung dem Empfindungsleben des einzelnen günstig entgegengehen? Und wie kann der Einzelne nach besten Möglichkeiten sein Umfeld mitgestalten?

Von ehemals begrenzter Nutzung zu ubiquitärem Übermaß digitaler Systeme

Elektronische Systeme übernehmen in immer größerem Ausmaß unsere Arbeit, ja sogar unsere Handgriffe – seien sie alltäglich, seien sie winzig oder seien sie umfassend oder von der Wirkung her weitreichend. Dieser Trend steigert sich seit Jahrzehnten. Früher waren automatisierte Vorgänge vor allem auf Fabriken beschränkt. Dann zog Automation immer stärker ins gesellschaftliche Leben ein. Man denke an die Erleichterung durch Aufzüge und Rolltreppen, z.B. an Bahnhöfen oder Flughäfen.

Heute hat die Automation in jedes individuelle Leben Einzug gefunden. Ein Beispiel ist Smart Home, bei dem die elektronische Steuerung von unterwegs beginnt, wenn man ein heimisches Gerät aus der Ferne schaltet und nicht erst, wenn das eigene Garagentor auffährt.

Ein weiteres Beispiel ist der große Anteil des gesamten Bezahlvorgangs. Dieser läuft heute über Karten oder Smartphones ab und droht das Bargeld vollständig zu verdrängen. Vor Jahren lag der Fokus der Kartenzahlung eher auf größeren Einkaufssummen, was der Vergangenheit angehört. Der Einkauf beim Bäcker wird oftmals elektronisch bezahlt. Man scheint wie aus der Zeit gefallen, wenn man für tägliche Verrichtungen Bargeld in der Tasche hat. Sei es modern, sei es einfach nur praktisch: Sehr viele Bürger sind nurmehr mit Karten bzw. Smartphone unterwegs. Immer mehr öffentliche Einrichtungen wie z.B. Parksysteme sind nurmehr elektronisch bezahlbar.

Ein anderes Beispiel betrifft das Autofahren. Elektronik und künstliche Intelligenz haben sich in vielen Stufen sozusagen bis hin zum Fahrer selbst vorgearbeitet. Kleine praktische elektronische Einrichtungen im Fahrzeug, durch die der Fahrer seine Aufmerksamkeit beim eigentlichen Fahrvorgang halten konnte, wurden über Jahrzehnte immer stärker ausgebaut und erweitert. Heute ist es umgekehrt: Nicht die Erleichterung steht für den Fahrer im Vordergrund. Von überbordender Elektronik wird der Fahrer erheblich, teils gefährlich abgelenkt. Darüber hinaus kann der Freiraum, der durch den Fahrassistenten entsteht, den Fahrer zu Nebenbeschäftigungen verleiten.

Künstliche Intelligenz im Gesundheitsbereich nimmt dem Menschen immer mehr Urteilsfähigkeit ab

Künstliche Intelligenz soll auch die gesundheitliche Entwicklung über Jahre prognostizieren können, 1). Aber ganz vorne steht die ebenso interessante wie lebenswichtige Frage: Warum sollten das nicht Ärzte und Ärztinnen wie auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weltweit durchführen?

Im Gesundheitsbereich gibt es das bekannte Beispiel, dass Herz-Kreislauf-Messgeräte uns in allen Lebenslagen Kenndaten liefern. Und hier kommt sogleich die zentrale Frage: Warum trainieren wir uns nicht selber, auf unseren Körper und seine Zeichen zu lauschen? Warum trauen wir einer Apparatur am Handgelenk mehr zu als unserer eigenen Wahrnehmung und Einschätzung, unser Befinden zu beurteilen? So zeigt sich auch hier die fortschreitende Entmündigung des Menschen – man möchte vielmehr sagen es zeigt sich eine Grund-Entwürdigung jedes einzelnen Bürgers.

An solchen Beispielen, die teils nachvollziehbare Erleichterungen mit sich bringen, erkennt man, wie wach der Bürger sein muss, damit er klar unterscheidet, welche digitalen Möglichkeiten er nutzen will bzw. muss, und auf welche er bewusst verzichtet.

Zunehmender Verlust von eigener Wahrnehmung, Urteils- und Gestaltungsfähigkeit geht mit steigender Angst vor Individualität einher

Die beschriebenen Phänomene sind nur Beispiele, dass der Bürger unserer Zeit mit steigender Digitalisierung und künstlicher Intelligenz von eigenen Wahrnehmungen immer mehr Abstand nimmt, und diesen immer weniger traut.

In fortschreitenden Stufen eines inneren Abbaus gehen dem Menschen Werte wie Selbstvertrauen, Urteilsfähigkeit und eigenständige Gestaltungskraft verloren. Es entwickeln sich zwangsläufig Ängste, in steigendem Ausmaß und ungerichtet.

Solche Verluste im Innenleben begünstigen Skepsis gegenüber denjenigen, die solchen Trends nicht folgen und sich realer durchs Leben bewegen. Skepsis kann ausarten in Ablehnung und gar in Feindseligkeit gegenüber „Andersdenkenden“ : Begegnet man einem Menschen, der diese „Fortschritte“ nicht mitlebt, sondern sich selbsttätig im Leben erhält, wirkt das schnell bedrohlich auf den zurück, der sich den beschriebenen Erleichterungssystemen – Beherrschungssystemen – mehr oder weniger unterworfen hat. Leider übersieht er, dass er selber an Individualität eingebüßt hat und diesen erlittenen Mangel nicht erkannt und durchdacht hat, sondern im Gegenteil dem anderen sein „Anderssein“ regelrecht anlastet. Nach dem Motto: Der, der auf Schmutz hinweist gilt als viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht (U.a. Kurt Tucholsky wird dieser bekannte Ausspruch zugeordnet: In Deutschland gilt der, der auf Schmutz hinweist als viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.)!

Manch ein Bürger will nicht mehr selber denken – KI bzw. seine „Hintermänner“ reiben sich die Hände

Eine erschreckende Beobachtung, die wir in allen Lebensbereichen machen, ist dass immer mehr Erwachsene immer weniger selbstständig denken wollen. Bei Menschen im (Vor-)Ruhestandsalter kann man die sinngemäße Haltung antreffen: Warum sollte ich selber denken, das brauche ich in meinem Alter nicht mehr. Wie wirkt sich diese Haltung auf uns selber aus, und auf unsere Umgebung?

Seit Jahrzehnten hat in steigendem Ausmaß die Emotionalisierung das Feld übernommen: Bernd Klane hat es als Einführung in einer Broschüre 2) sinngemäß beschrieben: …Tagsüber arbeiten wir häufig einseitig intellektuell (einseitig überlastet), abends überlassen wir „zum Ausgleich“ den Emotionen das Feld….

Eine zunehmende Schwächung und innere Verarmung des Bürgers war und ist die Folge dieses Geschehens, mit deutlicher Zunahme von psychischen und physischen Krankheiten. Das Gesundheitssystem der BRD kann bereits heute die Krankheits- und Ausfallzeiten, die steigende Zahl von Frühpensionierungen nicht mehr bewältigen.

Teil 2 : Das Ich im Menschen

Alle Arbeiten, Leistungen, Erfindungen, Tätigkeiten sind nicht von ihrem Urheber zu trennen

Verschiedene Beispiele wollen aufzeigen, wie eng eine jede Tätigkeit, eine Erfindung, ja sogar jeder Gedankengang in Wirklichkeit mit dem jeweiligen Urheber in Verbindung stehen. Beginnen wir mit allseits bekannten Beispielen.

Für technische Erfindungen ist es bekannt und üblich, dass diese für einen Zeitraum ein Schutzrecht in Form eines Patents erhalten, welches eindeutig dem Urheber zugeordnet ist. Das Patent wird auf den Namen des Erfinders eingetragen – in einem eigens dafür vorgesehenen Patentamt.

Auch die Naturwissenschaften bieten reichlich Gelegenheit, auf dieses schöne Phänomen der Untrennbarkeit einer Leistung von ihrem Urheber aufmerksam zu werden:

Entdeckungen bzw. Theorien wie das Bohrsche Atommodell, die Boltzmann-Konstante oder das Plancksche Wirkungsquantum sind bereits durch die Namensgebung untrennbar mit ihren Entdeckern verbunden. Die Debye-Hückel-Theorie lassen die Entdecker, den niederländischen Physiker und Chemiker Peter Debye und den deutschen Chemiker und Physiker Erich Hückel erkennen.

So kann es den Schüler im Unterricht befeuern, wenn der Lehrer nicht nur das Bohrsche Atommodell erklärt, sondern auf Stationen des interessanten Lebens des dänischen Physikers Niels Bohr eingeht, der nicht nur ein Denker mit Intuition, sondern auch ein großartiger Pädagoge war. Bohr gründete das Institut für Theoretische Physik in Kopenhagen (heute Niels-Bohr-Institut) und brachte dort mehr als ein Jahrzehnt bis vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Physiker aus aller Welt zusammen. Dort wurde nicht nur mental intensiv gearbeitet: Sport, Wandern und Naturerleben waren wesentliche Bestandteile des lebendigen Institutslebens 3).

Jeder pädagogischen Lehrkraft ist bekannt, wie wesentlich im Unterricht die Verbindung eines Lehrsatzes mit dem jeweiligen Entdecker ist. So behält auch der Schüler oder Student die Van-der-Waals-Kräfte leichter, wenn er von deren Entdecker, dem niederländischen Physiker Johannes D. van der Waals ein wenig erfährt. Der pythagoräische Lehrsatz in der Mathematik wird Pythagoras von Samos aus der griechischen Antike zugeschrieben, der eine philosophisch-mathematische Schule begründete – was zu einem mehr oder weniger wahrnehmbaren, leisen Aufhorchen beim Schüler Anlass gibt.

Im Gesundheitswesen weist die Kneipp-Therapie eindeutig auf ihren Erforscher und Begründer Sebastian Kneipp hin. Durch die Namensgebung kann der Interessierte über den Pfarrer Sebastian Kneipp nachlesen und in Kontakt mit diesem unermüdlichen Forscher und Autodidakten kommen, der sich auch wehrhaft gegenüber jeglicher Verunglimpfung seiner Forschungsergebnisse seitens der Kirche verhielt.

Viele große Beispiele in der Kunst lassen sich zu der wunderbaren Einmaligkeit von Schaffendem und Geschaffenem finden. Die Sinfonie Pastorale, Ludwig van Beethovens 6.Sinfonie, ist von v.Beethoven nicht wegzudenken. Wie könnte man Die Bürgschaft nicht Friedrich Schiller zuordnen? Sieht man das Gemälde der Sixtinischen Madonna von Rafael erstmals und hat bereits andere Werke von ihm betrachtet, kann man Rafael als Schöpfer dieses Werkes erahnen.

Auch in der internationalen Politik ist die Untrennbarkeit der Ziele und ggfs. ihre Umsetzung nicht vom Akteur zu trennen. Man denke an Perestroika und Glasnost, die Michail Gorbatschow und Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen theoretisch eingeführt und in Umsetzungen geführt hatten. Seit Jahrzehnten bekannt sind auch die vielen Bemühungen um einen Staat Palästina, neben dem Staat Israel – die Zwei-Staaten-Lösung, die mit dem israelischen Premier Jitzchak Rabin und dem Vorsitzenden der PLO Jassir Arafat mit weiteren Vermittlern Mitte der 1990-Jahre im Oslo-Friedensprozess gipfelten und weltweite Hoffnung auf eine Befriedung des Nahen Ostens auslösten.

Als letztes Beispiel seien Bergsteiger mit ihren Leistungen herangeführt. Liest man in einem Buch übers Mont-Blanc-Massiv, kommt dem Leser der Bonatti-Pfeiler entgegen. Der Bonatti-Pfeiler bleibt untrennbar mit der Allein-Erstbegehung der Petit Dru im Mt.Blanc-Massiv durch Walter Bonatti 1955 verbunden, nachdem er und Kameraden dort zwei Erstbegehungsversuche abbrechen mussten. Liest man bei den Walliser Alpen übers Matterhorn, kommt einem besonders der Name Jean-Antoine Carrel mit seinen zahlreichen Alleinbegehungen auf unterschiedlichen Höhen am Matterhorn, und seiner Erstbesteigung im Team über den Lion-Grat, den SW-Grat im Jahr 1865 entgegen. Das Rifugio Carrel auf dem Lion-Grat des Matterhorns ist ihm gewidmet. Der oder die Entdecker einer Route am Berg, insbesondere die Erstbegeher bleiben in der Regel auch namentlich verbunden.

Wirkung eines Werkes auf das Umfeld

An solch berühmten Beispielen bemerkt der Einzelne, wie bewusst, wie stark oder deutlich sein eigenes Gedankenleben, Empfindungsleben und vielleicht sogar sein tätiges Leben durch großartige Vorbilder mit ihren Werken angeregt wird. Anhand solch großer Schöpfungen kann man erleben, dass diese über den Tod ihres Schöpfers hinaus anregend weiterwirken.

Außerdem bemerkt man, dass es der eigenen Aktivität bedarf, das einmal geschaffene Werk wieder neu zu beleben: Das Nachvollziehen einer musikalischen Komposition, eines Gemäldes, eines Gedichts oder einer Bergtour belebt die ursprünglichen Gedanken und Taten. Man wird diese Wechselbeziehung, die entsteht, bemerken können – zumal man sich auch für den Urheber zu interessieren beginnt, und für die jeweilige Zeit mit ihren spezifischen Gegebenheiten.

Damit wird deutlich, dass das eigenaktive Beziehung-Aufbauen zentral wichtig ist. Wie wirkt wohl dieses Beziehung-Aufbauen gesundend auf einen selber zurück, und nach außen auf die Umwelt? Welche gesundenden Eigenschaften, Auswirkungen lassen sich erkennen? Wie wirkt im Gegensatz dazu das „Information haben, sammeln oder benutzen“? Eine detaillierte Unterscheidungsbildung zu diesen Fragen sei dem Leser überlassen. Der Unterschied jedenfalls ist „wie Tag und Nacht“.

Die Abtrennung einer Person von ihrer geleisteten Arbeit geht mit entsprechend großem Schaden einher

Nicht nur bei berühmten Persönlichkeiten, auch im Alltag jedes einzelnen Menschen zeigt sich dieses Phänomen: Manch ein Erwachsener erinnert aus der Zeit seiner Schuljahre Lehrer, die ihm großes Vorbild waren. Meist waren solche Lehrer sowohl fachlich als auch pädagogisch in hohem Maß kompetent und konnten durch ihr Interesse an Lebensthemen und ihre Selbsterziehung den Schülern Lerninhalte vergleichsweise leicht und freudig nahe bringen.

Tatsächlich kann keine Arbeit, die ein Mensch ausführt, von dem Ausführenden selber getrennt werden. Man mag argumentieren, es gäbe viele Arbeitsplätze, die man beliebig besetzen könne, der Ausführende wäre austauschbar. In der äußeren Realität kann selbstverständlich ein Arbeitnehmer entlassen und durch einen anderen ersetzt werden. Damit ist aber nur die äußere Ebene des Lebens benannt. Die innere seelische Realität jedes Einzelnen, z.B. seine Haltung, die sich in Gedanken, innersten Regungen und Wünschen ausdrücken kann, bleibt mit solch begrenzter Menschenkunde unerkannt und unberücksichtigt.

Eifersucht und Neid können zu Verleumdungen, Intrigen und anderen Schädigungen gegenüber Persönlichkeiten führen

Und wie es sich ergibt und man nicht lange danach suchen muss, finden sich in der Historie nicht wenige Leben von Wissenschaftlern, Ärzten, Philosophen, Künstlern, Politikern usw., die aufgrund ihrer oftmals bahnbrechenden Entdeckungen und Taten verworfen, verleumdet, durch Intrigen aus ihrem Berufsstand entfernt und teils sogar ermordet worden sind. Man denke z.B. an Jitzchak Rabin, den 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten. Bei politischen Morden werden der Öffentlichkeit nicht selten Einzeltäter präsentiert: Bekannt ist die Erzählung vom „verrückten Einzeltäter“ Lee H. Oswald anlässlich der Ermordung von J.F. Kennedy, erwiesen ist der Mord durch Regierungskreise der USA selber, 4).

Philosophie und Geistforschung müssen sich darüber hinaus mit Anschuldigungen des Ketzertums, der Sektenbildung auseinandersetzen

Im Bereich der Philosophie oder gar der Metaphysik, der Geisteswissenschaft, werden Verleumdungen, Hetzkampagnen und Intrigen um so härter. Verleumdungs- und Hetzkampagnen richten sich insbesondere gegen Spiritualität und nicht gegen „westlichen Konsum-Yoga“. Ganz im Gegenteil kommt manchem Kirchenvertreter der Konsum-Yoga im Zeitgeist Zupass: Die Kirchen können ihn in ihre Vorhaben assimilieren und integrieren – für den unerfahrenen Praktizierenden extrem schwierig erkennbar und durchschaubar.

Das liegt einerseits an der für Unbeteiligte und Ungeschulte nicht erkennbaren Gedankenführung und Logik spiritueller Schriften. Andererseits wird eine Irrationalität von Verleumdungen schwieriger zu durchschauen. Angriffe kommen nämlich nicht nur von fachlichen Kollegen, sondern ganz besonders von sog. Sektenbeauftragten. Die Sektenverfolgung, die ehemals Ketzerverfolgung genannt wurde, nahm insbesondere bei weisheitsvollen Persönlichkeiten ihren dramatischen Verlauf. So muss sich der Einzelne mit der Historie von Konfessionen befassen. Die eigenständige Unterscheidung zwischen Religion und Konfession ist bedeutungsvoll.

Der Kritiker gegenüber Geistforschung muss sich selbstständig in Geistforschung üben, um fundiert urteilen zu können

Jeder Mensch kann dem Ursprung seiner Individualität durch die Geisteswissenschaft nahe kommen, durch das Kennenlernen und Studium seelisch-geistiger Gedanken bzw. Schriften. Wohlgemerkt ist Geisteswissenschaft weder „abgehoben“ noch „überflüssiger Lebensluxus“: Geisteswissenschaft behandelt die elementaren, die grundsätzlichen Lebensfragen und -themen mit ihren Zusammenhängen. Als zeitaktuelle Beispiele können die vielseitig ausgearbeiteten spirituellen Impulse von Rudolf Steiner mit der Anthroposophie und Heinz Grill mit dem Neuen Yogawillen dienen. Gleichwohl ist ein ernstzunehmendes Eigenstudium anspruchsvoll.

Eine Auseinandersetzung im Rahmen der Geisteswissenschaft erfordert nicht nur den Intellekt, wie das aus dem herkömmlichen, universitären Umgang mit Wissenschaft bekannt ist. Ein solches Eigenstudium in Originalschriften benötigt die gesamten Seelen- oder Bewusstseinskapazitäten des Menschen, die gepaart mit Fleiß, Ausdauer, Unbeirrbarkeit und Zielstrebigkeit erweiternd auf die Seele zurückwirken. Vorschnelle Urteile zurückzuhalten und anzuerkennen, dass die eigenen Seelenkräfte noch nicht ausreichend befähigt sind, um fundiert urteilen zu können, sind elementare Bausteine auf dem Weg.

Wollte man spirituelle Inhalte mittels künstlicher Intelligenz wiedergeben, entstünde eine gruslige Verzerrung, eine für den Ungeschulten nicht erkennbare Entstellung.

Die Verleumdung von Spiritualität schädigt jedes Individuum

Eine Trennung von geisteswissenschaftlicher Forschungsarbeit und Gedanken von der betreffenden Persönlichkeit, die diese Gedankengänge formuliert und darüber hinaus im tätigen Leben ausgestaltet hat, ist selbstverständlich unmöglich 5).

Kampagnen gegen Spiritualität wirken im Ausmaß extrem schädlich. Sie schädigen nicht nur die Person selber oder deren gegründete Hochschulen und Institute. Solche Angriffe schädigen tatsächlich die Individualität eines jeden Menschen im Innersten und damit schädigen sie jede Individualität. Die Schädigung für das individuelle Bewusstsein wird dann vergleichsweise groß, wenn die Verleumdungen vom Einzelnen nicht erkannt, durchschaut und an den betreffenden Stellen zurückgewiesen werden.

Trennung von Mensch und Werk – Schwächung des Individuums

Blickt man auf die beschriebenen Gedanken und Geschehnisse, stellt man unweigerlich eine Schwächung in der Persönlichkeit des einzelnen fest. Derjenige, der von einer Ent-Persönlichung – beispielsweise durch Ersatz seiner Arbeitsleistung durch KI-Robotik – betroffen ist, wird im Innersten seiner Person eine Schwächung erleiden. Diese Schwächung kann sich vielseitig äußern, z.B. in Depressionen, Verzweiflung oder in Kompensationshandlungen. Sie wirkt um so stärker auf den Betroffenen zurück, je weniger er den Hergang selbstständig durchdenkt, durchschaut und im besten Fall zurückweist.

Am meisten aber werden diejenigen Personen eine Schwächung im Innersten erleiden müssen, die sie durchführen – und je absichtsvoller sie diese vorantreiben, um so schädigender für diese Menschen selber. Dies ist eine Sicht auf das Innerste des Lebens 6). Im äußeren Geschehen verschaffen sich solche Menschen überall Vorteile, unter Benutzung und zum seelischen Schaden anderer. Das Nutzdenken steht auf extremste Art und Weise im Vordergrund. Jedoch im Inneren des Lebens entsteht durch eine absichtsvolle Trennung von Mensch und Werk die Schwächung der Persönlichkeit am Eklatantesten beim Verursacher selbst.

Trennung und mögliche Heilung

Jeder kann krankmachenden Zeiterscheinungen und allgemein innerem Abbau selber entgegentreten, indem er sich mit Idealen befasst, die persönliche Anliegen und Interessen überschreiten. Wer sich z.B. mit der dauerhaften Verbundenheit von Urheber und Werk beschäftigt, stärkt nicht nur sein eigenes Wertgefühl, sondern erhält die Würde des Menschen als solche. Er wird dann auch Digitalisierung im Alltag sinnvoll einsetzen, ohne dem seelischen Abbau unterliegen zu müssen.

Anhang:

1)  Künstliche Intelligenz sagt Krankheitsrisiken für mehr als ein Jahrzehnt voraus  Autor Stefan Parsch, Berliner Zeitung online, 25.10.2025

2) Die Ordnung der Seelenkräfte im Yoga, Autor Bernd Klane, Broschüre 2018 im Eigenverlag

3) NIELS BOHR Physiker und Philosoph des Atomzeitalters  Autor Ernst Peter Fischer, Siedler Verlag 2012, Kapitel: Das Haus, das Bohr baute und Das Zeitalter der Unschärfe Autor Tobias Hürter, Klett-Cotta 2.Aufl. 2021, Kapitel: München 1914-Auf Tournee mit dem Atom

4) Imperium USA  Autor Daniele Ganser, Westend Verlag 2020, Kapitel 9: Die Ermordung von Präsident Kennedy

5) Website von Heinz Grill, Artikel Vorsicht Sekte – Teil 2   Autor Heinz Grill, 12.09.2025, Beginn im 2. Absatz, Auszug:

…..Viele Menschen fordern heute, man müsse alle geistige Forschungsarbeit anonym halten, ohne Namensbenennung, und jede Form der Auseinandersetzung so allgemeingültig wie nur möglich darlegen. Der Hirte soll die Böcke und die Schafe nicht mehr unterscheiden. Es sei bereits eine Persönlichkeitsrechtsverletzung, wenn jemand eine Auseinandersetzung mit einem Werk wage oder sich zu öffentlich getätigten Aussagen kritisch äußere. Andeutungen, Suggestivfragen und pauschalisierende Verdammungssprüche seien gefragt, aber man müsse immer allgemein bleiben und es dürfe sich niemand persönlich angesprochen fühlen. Alle Meinungen sollten unter dem Gebot der Toleranz unreflektiert das nichtssagende Podium weltlicher Öffentlichkeit überschwemmen.

Diese Entwicklung der Meinungsbildung mit allerlei Suggestionen und einer Anonymisierung ist heute sehr modern geworden und zerstört das schöne Konzept von adhikāra 1) , das in anspruchsvollen spirituellen Schulen des Yoga und allgemein der orientalischen Philosophie noch gepflegt wird.

……

Erläuterung der Fußnote im Originalartikel

6) Website von Heinz Grill, Artikel Vorsicht Sekte – Teil 2   Autor Heinz Grill, 12.09.2025